Fassasde als Spiegelbild

Neubau Aufenthalts- und Sanitärgebäude Standortschießanlage, Neulindach

Für die Erscheinung des Gebäudes haben die Architekten versucht, mit möglichst einfachen Mitteln, sowohl einen massiven Gebäudeeindruck zu schaffen, als auch der Holzbaukonstruktion gerecht zu werden. Als Fassadenmaterial diente dabei eine marktübliche Schaltafel, deren Rückseite zur Schauseite gemacht wurde. In den Übungs- und Schießanlagen der Bundeswehr werden Soldaten auf ihre künftigen Einsätze in Krisengebieten trainiert. Mit dem geplanten Aufenthaltsgebäude wurde versucht, dem Grundsatz dieser Einsätze - friedliche und freiheitliche Wertesysteme weltweit zu stabilisieren - ein bauliches Äquivalent zu geben. Die räumliche Umgebung der Soldaten sollte den individuellen und kollektiven Ansprüchen der Nutzer auf eine saubere, klare und kulturell lebhafte Umwelt entsprechen.

Ein bauliches Äquivalent zum Grundsatz der Bundeswehr - Friede und Stabilität
Foto: Peter Neusser

In dem Gebäude sind nach Geschlechtern getrennte Sanitärräume, ein Seminarraum und eine Technikerwohnung untergebracht. Alle Räume liegen an der Fassade und sind direkt belichtet und belüftet. Die Loggia dient zum Essen im Freien. Die raumhohen Fenster folgen dem klaren Achsenraster und lassen Durchblicke in allen Richtungen von außen und innen zu. Die Achseinteilung der Tragstruktur basiert auf einem gleichmäßigen Raster. 3,00 m x 3.00 m große Wand- und 1,20 m x 3,00 m große Fenstertürelemente ergeben addiert den Achsabstand der Fertigteile der Boden- und Deckenplatten .

Ein weiteres bauliches Leitmotiv des Gebäudes ist der fließende Übergang von Landschaft und Architektur. Dementsprechend wurde der bauliche Holzschutz abgeschrägt und der überdachte Freibereich einer Waldlichtung nachempfunden. Nur die Öffnung in der Südwand erlaubt direktes Sonnenlicht. Sie ist perspektivisch abgeschrägt, um das Sonnenlicht, analog einer Sonnenuhr, über den überdachten Freibereich gleiten zu lassen.

Die Außenhülle des hochinstallierten Gebäudes ist in Holzfertigbauweise erstellt und konnte mit circa 238 € pro Quadtratmeter umbauten Raum realisiert werden. Die vorgefertigten Boden-, Decken und Wandelemente und somit die gesamte Gebäudehülle wurde auf der Baustelle innerhalb eines Tages vor Ort vollständig errichtet.

Die Zwischenräume der Tragbalken und -stützen sind mit Mineralwolle ausgefacht und beidseitig mit OSB-Platten beplankt. Das Gebäude erhält hierdurch seine vollständige statische Aussteifung. Die Beplankung der Fassade und aller weiteren Außenflächen (Decken, Boden, Podeste etc.) ist in dunklen geriffelten Betonschaltafeln ausgeführt. Der „schwebende“ neue Baukörper verschmilzt in seiner Farbigkeit mit dem schützenswerten alten und dichten Baumbestand und korrespondiert harmonisch mit dem unmittelbar in Nachbarschaft stehenden Bestandsgebäude.

Projektdaten

Architekten: Brune Architekten
Bauherr: Bundesministerium für Verteidigung
Verarbeiter: Holzbau Schmidt
Fassade: Betonschaltafeln auf Holzunterkonstruktion
Baujahr: 2004
Foto: Peter Neusser

 
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