Fassaden erfolgreich begrünen:

 

Praxisgerechte Empfehlungen für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF)

Seit einigen Jahren hat der Wunsch, Fassaden zu begrünen deutlich zugenommen. Relative Unkenntnis der konstruktiven Anforderungen und des gärtnerisch Machbaren stehen diesem Bestreben jedoch entgegen. Thorwald Brandwein wies bereits beim 3. Deutschen Fassadentag® 1998 in Berlin darauf hin, dass sich für die Anbringung einer Fassadenbegrünung kein anderes System so eigne wie die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF). Nun hat der Referent, der als Mitglied der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V., Köln und der Forschungsgesellschaft Landesentwicklung und Landschaftsbau e.V., Bonn tätig ist, im Auftrag des Fachverbandes Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassade e.V. (FVHF) eine umfangreiche Broschüre erstellt, die alle wesentlichen Hinweise zur Gestaltung und Planung von Begrünungen an vorgehängten hinterlüfteten Fassaden zusammenfasst. Er zeigt auf, wie sinnvoll es ist, Konstruktionen und späteren Bewuchs gemeinsam zu planen, damit die durch die Bepflanzung zu erwartenden Gewichte mit den Gerüsten und ihrer Verankerung harmonieren. Da der Planer auf allgemeingültige Regelwerke nicht zurückgreifen kann, muss der Konstruktion besondere Beachtung geschenkt werden. Wichtiger Ausgangspunkt ist dabei die Wahl der Pflanzen, deren Gewicht sowie die Fläche, die begrünt werden soll. Schwere Pflanzen können bis zu 500 kp/Pflanze wiegen. Leichte dagegen erreichen nur 20 kp/Pflanze. Diese Faktoren nehmen Einfluss auf die Art der Kletterhilfe und deren Verankerung. Gerüstkletterpflanzen wachsen in der Natur an anderen Pflanzen empor. Zu unterscheiden sind Schlinger, Ranker und Spreizklimmer. Selbstklimmende Arten bewachsen ursprünglich Felsen und Baumstämme. Ihre Haftorgane gehen dabei engen Kontakt zu den Flächen ein. Die vorgestellte Broschüre unterscheidet praxisgerecht Kletterpflanzen nach Klettertechniken und ihre Eignung für die Fassadenbegrünung. Eine begrünte Fassade schützt vor Licht und Feuchte und entzieht unerwünschten Vegetationsformen wichtige Lebensgrundlagen. So ist eine Koexistenz von Kletterpflanzen und Moosen oder Flechten nicht bekannt. Die offenen Fugen, die beim System der VHF die Regel sind und eine Fassadenbegrünung sind also kein Widerspruch. Entscheidend ist vielmehr die Wahl der geeigneten Pflanzen. Systembedingt ist eine nachträgliche Anbringung von Kletterhilfen bei einer VHF aufwendiger als ihre rechtzeitige Einbeziehung in die Planungs- bzw. Ausführungsphase. Die vorhandene Unterkonstruktion muss ohnehin rechnerisch nachgewiesen werden. Daher sollte sie bei entsprechender Dimensionierung zur Aufnahme von Kletterhilfen mit herangezogen werden. Ein wichtiges Thema sind auch die Kräfte, die von Kletterpflanzen im Laufe der Jahre ausgehen können. Wird von pflanzenbedingten Schäden gesprochen, so gehen sie etwa von Trieben aus, die im Dickenwuchs behindert wurden, verbunden mit einer Übergrünung und damit einem nicht abgesicherten Zuwuchs an Gewicht. Rechtzeitiger Rückschnitt kann hier kritische Laststände verhindern. Die Begrünung vorgehängter hinterlüfteter Fassaden ist sicher eine anspruchsvolle und ökologisch in jedem Fall sinnvolle Maßnahme, die dem Nutzer der Gebäude und der Umwelt Vorteile bringt. Technische Anforderungen für diese besondere Form der Fassaden-Ästhetik sind erfüllt. Nun bietet die neue Broschüre des FVHF aus der Schriftenreihe Fassaden mit Atemtechnik: "Vorgehängte hinterlüftete Fassaden erfolgreich begrünt" dem Architekten und Planer anschauliche Beispiele und Berechnungsgrundlagen für eine unkomplizierte Planung und eine sichere Begrünung. Eine umfangreiche Liste der geeigneten Kletterpflanzen für unterschiedliche Wuchshöhen rundet die hilfreiche Dokumentation ab.