16.01.2019

Ronald Winterfeld:

Statement zur BAU 2019

Ziel aller FVHF-Aktivitäten im Jahr 2019 ist es, den Nutzen und die technische Qualität der Bauart VHF weiterzuentwickeln. Dazu müssen sich Fachdisziplinen vernetzen, Kooperationen ausbilden, Lösungen in Systeme und Produkte wandeln und an Fassaden Anwendung finden.

Ronald Winterfeld, Geschäftsführer FVHF Foto: FVHFzoom
Ronald Winterfeld, Geschäftsführer FVHF Foto: FVHF

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Pressepartner und Journalisten,

herzlich willkommen zur gemeinsamen Pressekonferenz des FVHF und der Bundesstiftung Baukultur mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „VHF │multifunktional und intelligent“.

25 Jahre FVHF und ein erneut sehr erfolgreiches Verbandsjahr 2018 liegen hinter uns. Wichtige Meilensteine des Jahres 2018 waren:
• die Auslobung und Vergabe des Deutschen Fassadenpreises für VHF und seine erneute Würdigung als bedeutender Architekturpreis mit hoher baukultureller Bedeutung
• das Branchentreffen „25 Jahre FVHF“ in der „Alten Pumpe“ in Berlin
• die Verjüngung der „Marke FVHF“ mit neuem Logo und modernem Corporate Design
• die Erweiterung des FVHF-Aus- und Weiterbildungsangebotes um die Einstiegs- und Aufbaulehrgänge für VHF-Monteure in Kooperation mit dem ABZ Hamm

Die Auftragsbücher unserer Verarbeiter waren 2018 gut gefüllt, die Umsatzzahlen der VHF-Hersteller lagen erneut über denen der Vorjahre. Die FVHF-Mitgliederzahl stieg erneut an.

Das neue Jahr liegt vor uns und die Prognosen der Bauverbände HDB und ZDB stimmen erneut optimistisch. Sie gehen übereinstimmend davon aus, dass sich das Wachstum der Bautätigkeit im neuen Jahr auf hohem Niveau fortsetzt und rechnen für 2019 mit einem nominalen Umsatzplus im Bauhauptgewerbe von 6 %.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen weiter gute Rahmenbedingungen für die Inlandsnachfrage. Kräftige Lohnzuwächse schaffen Kaufkraft, Investitionen und Konsum im Inland bleiben von den weltwirtschaftlichen Turbulenzen weitgehend unbeeinflusst.

Zu den bauwirtschaftlichen Schwerpunkten 2019 gehört erneut der Wohnungsbau. Das neue Baukindergeld, die Sonder-AfA, der Überhang bereits genehmigter aber noch nicht fertiggestellter Wohnungen und der grundsätzliche Wohnungsbedarf durch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungsgebieten sind Treiber der prognostizierten positiven Entwicklung.

Als Schlüssel zur Steigerung von Bauqualität und -kapazität gewinnen vor allem das „Serielle und Modulare Bauen“ und die „Typisierung von Gebäudestrukturen“, neue integrale und partnerschaftliche Planungs- und Bauansätze sowie moderne Montageprozesse zunehmend an Bedeutung.

Seit 2016 beschäftigt sich der FVHF aktiv mit diesen Themen und sendet auch 2019 verstärkt Impulse in Wohnungs- und Bauwirtschaft und den FVHF-Mitgliederkreis. Vorgefertigte Bauteile erlauben trotz geringem Budget innovative Lösungen mit einer individuellen Gestaltung. Der modulare Aufbau von VHF ermöglicht die Nutzung des Hinterlüftungsraumes z. B. für die Integration technischer Anlagen zur Wärmerückgewinnung oder zur Führung von Versorgungsmedien und Leitungen außerhalb des Gebäudes. Der Gewinn von zusätzlichem Wohnraum und eine höhere Flexibilität bei späterer Umnutzung, die Erhöhung des Wirkungsgrades von Heizsystemen und Haustechnik und die Steigerung der Energieeffizienz ergeben sich als wesentliche Vorteile für Investor und Vermieter.

Auch der Wirtschaftshochbau liegt laut DIHK-Herbstumfrage 2019 auf dem hohen Vorjahresniveau. Es wird zwar ein Rückgang des Wachstums der Deutschen Wirtschaft erwartet, aber von einer Konjunkturkrise kann bei einer prognostizierten Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes von 1,5% auch im neuen Jahr nicht die Rede sein.

Diese Einschätzung lässt für den Fassadenmarkt Büro- und Gewerbebau ein erneut gutes Jahr erwarten. Hier sind VHF traditionell stark positioniert und Garant für individuelle, wirtschaftliche und nachhaltige Fassadenlösungen.

Der Öffentliche Bau legt 2019 vermutlich weiter zu. Die niedrige Arbeitslosenquote und die Integration der Einwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt entlasten den Staatshaushalt und ermöglichen zusätzliche Investitionen der öffentlichen Hand.

Hier gilt es den Mangel z. B. im Bildungssektor bei Neubau und Sanierung von Schulen und Hochschulen zu beseitigen.

Die grundsätzlich hohe Nachfrage nach VHF beim Bau bzw. bei der Sanierung von Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden von Bund und Ländern usw. gründet sich auf die hohen Anforderungen an den Brandschutz, Schallschutz und Wärmeschutz, und die guten bauphysikalischen Eigenschaften bei geringem Wartungsaufwand und hohem Recyclingpotential.

Die Bauart der Vorgehängten Hinterlüfteten Fassade bietet optimale Voraussetzungen, um auf die klar definierten Vorgaben sicher und wirtschaftlich zu reagieren. Außerdem lässt sich die Gestaltung der Fassade individuell auf die Charakteristik der Bauaufgabe abstimmen. So gelingt es den Architekten, einen Bezug zwischen dem Gebäudeumfeld, der Bauaufgabe und seinen Nutzern herzustellen und damit den hohen ästhetischen Anspruch zu unterstützen.

Unter den Stichworten Energie und Effizienz geht es hier verstärkt um Erzeugung und Speicherung von Energie an der Fassade. Die Möglichkeit, Photovoltaik und Solarthermie ästhetisch und technisch in die Bekleidungsebene der VHF zu integrieren, wurde längst als eine sicher anwendbare Systemlösung anerkannt. In Zukunft muss mehr Augenmerk auf Effizienzsteigerungen durch die Wechselwirkung von Gebäudetechnik und Fassade gelegt werden. Sei es als High-Tech- oder Low-Tech-Ansatz: Durch die geschickte Nutzung der bauphysikalischen Eigenschaften von VHF gelingt es, den sommer- und winterlichen Wärmeschutz zu verbessern, die Behaglichkeit zu steigern und die Verbrauchskosten zu senken. Weitere wichtige Stichwörter sind Lichtlenkung durch spezifische Fassadengeometrien, Beschattung durch integrierte Sonnenschutzsysteme oder Klimaverbesserung durch das Potenzial z. B. vertikal begrünter Fassaden.

Natürlich treibt die Digitalisierung der Bau-, Planungs- und Montageprozesse auch 2019 die Industrialisierung des Bauens im Fassadenbereich weiter voran. Hier gilt es Schritt zu halten und durch einheitliche Standards, Normen und Schnittstellen die Grundlagen für den Erfolg der Geschäftsmodelle von Morgen zu schaffen.

Der FVHF arbeitet seit 2016 an einer Strategie, international einheitliche Standards zur Beschreibung von Produktmerkmalen und Austauschprozessen als „Prinzipien des Digitalen Planen und Bauens mit Vorgehängten Hinterlüfteten Fassaden (VHF)“ zu etablieren und treibt diese auch 2019 weiter voran.

Dazu gehören, neben den aktuellen Fragen rund um das zukünftige Prozessmodell, Überlegungen zu Datenformaten und Datenaustauschprozessen. „Digitales Planen und Bauen mit VHF“ bedeutet, die Bauart insgesamt und alle ihre Komponenten international einheitlich, effizient, eindeutig, maschinenlesbar und interoperabel beschreiben zu können.

Derzeit gibt es zwei Schwerpunkte in der Umsetzung einer erfolgreichen FVHF-BIM-Strategie: Um Fassadenprojekte der Bauverwaltungen in Deutschland öffentlich und neutral ausschreiben zu können, bietet das Standardleistungsbuch (STLB-Bau) Leistungsbereich 038 „Vorgehängte Hinterlüftete Fassaden“ fachgerechte Inhalte und Strukturen.

Für den privatrechtlichen und internationalen Bereich empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit international anerkannten, neutralen und offenen Datenbanksystemen, wie z. B. dem „buildingSMART Data Dictionary (bSDD)“.

Multifunktionale und intelligente Fassaden bieten bereits heute eine große Fülle zusätzlicher konstruktiver und funktionaler Möglichkeiten und Eigenschaften: Sie können Energie speichern und erzeugen, die Effizienz der Gebäudetechnik steigern, Staub-, Schadstoff- und Lärmbelastungen reduzieren und Informationen übermitteln. Außerdem bieten sie Schutz gegen Vandalismus und Sicherheit, z. B. hinsichtlich des vorbeugenden Brandschutzes. Moderne VHF sind modular aufgebaut, lassen sich vorfertigen und digital planen.

Mit der Kampagne »Innovationen auf dem roten Teppich« konzentriert sich der FVHF seit Herbst 2018 auf die Themen »VHF-Funktionalitäten«, »Anwendungsforschung« und »Know-how-Transfer«.

Bestandteil der Kampagne ist auch die Messekonzeption von Astrid Bornheim Architektur zur BAU 2019. Ich lade Sie herzlich ein in Halle A2, Stand 519 in der Ausstellung der FVHF-Mitglieder das breite interdisziplinäre Spektrum der Branche zu erleben. Es umfasst neben Fachplanungs- und Montageleistungen die neuesten Produktinnovationen namhafter Hersteller.
Stellvertretend für innovative Eigenschaften z. B. von Fassadenbekleidungen zeigt die Forschungsplattform BAU KUNST ERFINDEN der Universität Kassel moderne Werkstoffsysteme, wie den berührungssensitiven Beton „TouchCrete“ und auch die einzigartigen Holztextilien „TouchWood“, die eine vollständige Implementierung von mechaniklosen Schaltungen und die Ausbildung ganzer Fassadenflächen nach dem touchscreen-Prinzip erlauben.

Ziel aller FVHF-Aktivitäten im Jahr 2019 ist es, den Nutzen und die technische Qualität der Bauart VHF weiterzuentwickeln. Dazu müssen sich Fachdisziplinen vernetzen, Kooperationen ausbilden, Lösungen in Systeme und Produkte wandeln und an Fassaden Anwendung finden.

Sicher ist schon heute: Den intelligenten, multifunktionalen Fassaden gehört die Zukunft.
Dabei geht es insbesondere um:
• neue Wege der Energiegewinnung und -speicherung durch innovative Fassadeneigenschaften
• Wechselwirkung von Gebäudetechnik und VHF bei Lüftung, sommerlichem und winterlichem Wärmeschutz und den Behaglichkeitsfaktoren
• Absorption von Emissionen wie z. B. von Staub, Abgasen, Licht und Lärm
• nichtbrennbare Dämmstoffe, konstruktionsbedingter Feuchte- und Tauwasserschutz und robuste widerstandsfähige Komponenten
• die Integration von Blitzschutz, Radarreflektion und Schalldämmung, Schallabsorption und Schallabschirmung
• Messdatenerfassung durch Sensoren, Informationsübermittlung durch Antennen und Transponder oder Steuerung von Prozessen
• das Zusammenspiel von Architektur und Medientechnik und das Schaffen neuer Gestaltungs- und Informationsmöglichkeiten
• Kostensenkung durch Modularität und Vorfertigung, Verkürzung von Bauzeiten durch effektive Montageprozesse, Mehrwerte durch intelligente Konstruktionen
• Fassade, die das Erscheinungsbild unserer Städte und Dörfer im Sinne von Baukultur prägen

Ich freue mich, im Anschluss an den Beitrag von Reiner Nagel, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung Baukultur, auf die folgende Podiumsdiskussion.

In prominenter Runde erörtern wir …
• …innovative Planungs-, Technologie- und Montageansätze multifunktionaler und intelligenter Fassadenanwendungen und deren Bedeutung für die Baukultur,
• …die Anforderungen an innovative intelligente Fassaden und an moderne Planungs- und Montageprozesse,
• …die Notwendigkeit eindeutiger, interoperabler und maschinenlesbarer Datenklassifizierung und
• …Beispiele innovativer Fassadenmaterialien und berührungssensitiver Oberflächen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und uns allen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019.


Das Statement von Ronald Winterfeld können Sie sich hier herunterladen.

 
 
https://www.fvhf.de/Fassade/Presse/BAU-2019-Statement-Winterfeld-PK.php