Moderne Sonnenschutz-Fassade

Renovierung des Israel Museum in Jerusalem

„So wie die Politik Teil des täglichen Lebens ist, ist das Israel-Museum dessen Inspiration. Sein Entstehen war eines der wichtigsten Ereignisse seit der Gründung des Staates Israel; seine Erneuerung ist von ebenso zentraler Bedeutung für das weitere Schicksal des Landes" (Shimon Perez)

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So empfängt das Museum heute seine Besucher vom Parkplatz kommend am Ende der Carter-Promenade zwischen Eingangspavillon und Museumsshop. Architekten: James Carpenter Design Associates, New York
Foto: MOEDING Keramikfassaden (Timothy Hursley)

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Eine luftige Lamellenwand verhindert die direkte Sonneneinstrahlung, erlaubt aber dennoch den Durchblick auf Himmel und Landschaft. Architekten: James Carpenter Design Associates, New York
Foto: MOEDING Keramikfassaden (Timothy Hursley)

Das Israel-Museum, die wohl bedeutendste kulturelle Investition des Staates und weltweit eines der führenden Museen für Kunst und Archäologie, entstand auf Betreiben von Teddy Kollek nach Entwürfen von Alfred Mansfelt und Dora Gad und wurde 1965 in Jerusalem eröffnet. Bereits bei seiner Entstehung war das Museum eingebunden worden in den Skulpturengarten von Isamu Noguchi sowie den berühmten Schrein des Buches der Architekten Frederick Kiesler und Armand Bartos. Diese drei Komponenten waren fast gleichzeitig, allerdings damals ohne übergreifende Planung für eine zukünftig umfangreichere Gesamtanlage entstanden. Als Hauptverkehrsachse diente die sogenannte Carter-Promenade, eine weitläufige Treppenanlage, die an den einzelnen Gebäuden vorbei den Hügel hinaufführte, begleitet von einem in Stein gefassten Wasserlauf.

In den 40 Jahren seit Bestehen des Museums hat sich die Besucherzahl verzehnfacht. Der Verkehrsfluß innerhalb der Anlage war entsprechend anzupassen, gleichzeitig waren die ca. 50.000 qm Ausstellungsfläche z.T. zu erneuern, zu erweitern und neu zu organisieren. Die Entwürfe dazu wurden von James Carpenter Design Associates, New York, entwickelt. Die Renovierung der bestehenden Bausubstanz lag in den Händen der Architekten Efrat-Kowlasky und A. Lermann, beide in Tel Aviv.

Die neue Raumplanung


Die Eingangssituation wurde durch die Verlängerung der Hauptverkehrsachse bis hin zum Parkplatz, durch die gleichzeitige Renovierung eines bereits bestehenden Pavillons und schließlich noch die Hinzufügung von zwei weiteren Gebäuden völlig neu gestaltet. Unterirdisch wurden diese flachen Bauten miteinander verbunden und dienen unterschiedlichen Servicefunktionen - vom Ticket-Verkauf bis hin zur Haustechnik. Die Carter-Promenade, das Herzstück der Erschließung, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls neu entstanden. Die Treppenanlage überdeckt jetzt eine unterirdische, behindertengerechte Passage, die durch eine subtil inszenierteTageslichtzufuhr an jeder Stelle einen direkten oder indirekten Bezug zur Außenwelt hat. Vom Eingangspavillon aus erreicht man sie über einen mit einer Pergola überspannten Pfad, der im Wechsel mit horizontalen Ziegel- bzw. Glasplatten überdeckt ist, und so ein gedämpftes Streifenmuster auf den Boden zeichnet. Die offene Promenade, ebenso wie die tiefer liegende Passage, führen zu der neuen dreigeschossigen Empfangshalle, die sich dann ihrerseits zu den eigentlichen Ausstellungsebenen hin öffnet. Der ursprüngliche gestalterische Bezug zu dem arabischen Hügeldorf ist trotz Anordnung und Form der Neubauten innerhalb der Gesamtanlage erhalten geblieben.

Architektur, Technologie und Fassadengestaltung

Die Übertragung des Lichtes, sein Reflexionsverhalten und dessen Berechenbarkeit standen im Focus der intelligenten Lösungen, aus denen James Carpenter seine gestalterischen Entwürfe entwickelt hat. Auf der Basis der optischen Gesetzmäßigkeiten und den daraus abzuleitenden Berechnungen des Lichtes bei unterschiedlichen Formen von Fassadenelementen hat sein Büro, in einer gelungenen Symbiose von Architektur, Ingenieurwesen und Kunst, die anspruchsvollen Anforderungen dieses Projektes umgesetzt.

Das äußere Erscheinungsbild des Museums ist gleichermaßen geprägt von den hellen Sandsteinfassaden der bestehenden Gebäude sowie den Moeding-Ziegelfassaden der Neubauten, die sich farblich zwar im Ton absetzen, dennoch aber eher eine Referenz an das Bestehende darstellen als sie zu kontrastieren. Dem architektonischen Ansatz von James Carpenter entsprechend sind die neuen Gebäude jedoch geprägt von heller Transparenz und luftiger Offenheit, was bei den Ursprungsbauten eher weitgehend vermieden wurde, um eine Erwärmung aufgrund der unerbittlichen Sonneneinstrahlung in diesen südlichen Breiten zu vermeiden, d.h. überall dort, wo Tageslicht hereingelassen wurde, entstanden harte Kontraste von Licht und Schatten.

Vor diesem Hintergrund begannen die eigentlichen projektspezifischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Büros James Carpenter, die dann von dem deutschen Fassadenhersteller, der Moeding Keramikfassaden GmbH, in die Praxis umgesetzt wurden. Ziel war es dabei, die Sonnenwärme weitgehend zu blockieren, dennoch aber so viel Licht wie nur möglich in die Häuser hinein zu lassen und gleichzeitig den Blick nach Draußen zu öffnen.

Moderne Sonnenschutzfassaden


Die als Sonnenschutz entwickelten Ziegellamellen entsprechen der o.g. Situation und den neuen Vorgaben. An den Südfassaden berücksichtigt eine spezielle Querschnittsgestaltung (Profil 1) den um die Mittagszeit fast senkrechten Sonnenstand; die breiteren Flächen sind dabei, wie übrigens auch gen Norden, in horizontaler Lage angeordnet und erlauben so, aufgrund der offenen Zwischenräume den größtmöglichen Lichteintritt. Die West- und Ostfassaden werden hingegen bei dem tieferen Stand der Nachmittagssonne durch die fast geschlossenen, d.h. um ca. 90° gedrehten Lamellen des Profils 2 deutlich abgeschirmt. Eine sich verjüngende Lippe am oberen Rand der der Sonne zugewandten flachen Seite schiebt sich bei der senkrechten Stellung der Lamellen hinter das darüber liegende Element und reflektiert durch ihre konkave Ausformung das Sonnenlicht diffus in den Raum. Impressionen der unmittelbaren Umgebung werden damit schemenhaft im Inneren abgebildet. Wenn auch so der direkte Ausblick auf Gärten und Wege blockiert wurde, so wird auf diese Weise dennoch ein virtuelles Abbild der Außenwelt angedeutet.

Diese keramischen Sonnenschutzwände stehen in unterschiedlichem Abstand vor den Glas-Wandkonstruktionen, im Extremen soweit davon entfernt, dass in Verbindung mit dem auskragenden Dach ein wunderbar schattiger Vorhof entsteht, in dem der durch Form und Anordnung der Lamellen entstehende thermische Auftrieb der warmen Luft eine angenehme leichte Brise entstehen lässt. (Und noch ein praktischer Hinweis: Die Lamellen wurden zusätzlich derart variiert, dass sie sich nach den in Israel häufigen Sandstürmen auch wieder selbst reinigen.)

Die revitalisierte Carter-Promenade mit ihrer unterirdischen Passage wird auch in der neuen Konzeption wieder von einem künstlichen Wasserlauf begleitet. Sein Boden besteht aus geriffeltem Glas, so dass zusätzliches Tageslicht in die tiefer gelegenen Räume gefiltert wird. Geschosshohe, senkrecht verarbeitete mattweiß glasierte Ziegelplatten und eine Zwischenwand aus geätztem Glas reflektieren das Spiel dieses wasserverzerrten Lichtes in den Raum. Die geschlossene Seite der Passage ist mit schwarzen, ebenfalls vertikal montierten Ziegelelementen bekleidet. Zusammen mit dem matt graphitfarbenen Terrazzo-Boden entsteht so ein interessantes Spiegelbil der gegenüberliegenden Lichtwand. Damit wird der lange Anweg von dem Eingangspavillon bis zur Empfangshalle bereits zu einem eindrucksvollen Erlebnis für die Besucher.

Das vor 40 Jahren noch übliche Museumskonzept, der geschlossene Behälter mit wenig Fensterfläche, fast völlig abgeschirmt gegen die Umwelt, hat sich geöffnet. Die neuen Innenräume des Israel-Museums erscheinen jetzt in einem sanften ambivalenten Licht und kommunizieren visuell mit der Außenwelt. Dass sie dennoch trotz intensiver Sonneneinstrahlung angenehm kühl bleiben, ist den intelligenten Fassadensystemen zu verdanken, die von James Carpenter Design Associates in Zusammenarbeit mit dem deutschen Fassadenhersteller, der MOEDING Keramikfassaden GmbH, Marklkofen, entwickelt wurden. So vermerkte dann auch stolz der Direktor des Museums, James Snyder, »dass sein Haus nun auch architektonisch ein Wegbereiter der Museums-Kultur geworden sei«.

Projektdaten

Die Ziegelfassade im Detail

Die Vorgaben von James Carpenter Design erforderten hinsichtlich Oberfläche und Formgebung der Ziegelfassadenelemente verschiedene Sonderentwicklungen, die hier, um das grundsätzliche Entwurfskonzept nicht durch allzuviele Details zu verwirren, separat erwähnt werden sollen.

1. Pergola-Abdeckungen

  • Elemente von 4,60 m Länge und einer Breite von 0,50 m wurden im Werk Marklkofen aus jeweils drei LONGOTON-Ziegelplatten zusammengesetzt und als fertige Bauteile angeliefert.
  • Als bewusster Kontrast zu benachbarten Sichtbetonflächen wurde außerhalb des Standard-Programms eine warm-hellgrau brennende Tonmischung kreiert; die Oberfläche dieser Platten ist nach dem Brand geschliffen worden, um die Bestandteile des keramischen Scherbens als mehrfarbige Partikel sichtbar zu machen.


2. Sonnenschutzwände

  • Die Lamellen für die Süd-/Nord-Wände (Profil 1) bzw. Ost-/West-Wände (Profil2) haben unterschiedliche Konturen, berechnet aus dem jeweiligen Reflexionsverhalten der Sonneneinstrahlung. Für ihre nach allen Seiten als Sichtflächen ausgebildete Oberflächenstruktur war im Hinblick auf ein diffuses Reflexionsverhalten eine besondere Rauhigkeit gefordert, die mit einer speziellen Aufbereitung des Tones erreicht wurde.


3. Bekleidung der unterirdischen Passage

  • Es wurden hier ausnahmslos geschosshohe, 3,00 m lange LONGOTON-Hochformatplatten eingesetzt.
  • Für die Elemente der offenen Seite war eine matt-weiße Glasur gewünscht, die dennoch aber so transparent sein sollte, dass die Körnung des Ziegelscherbens hindurch scheint, um so auf die Natürlichkeit des Ziegelmaterials Bezug zu nehmen.
  • Für die Platten auf der gegenüber liegenden Seite der Passage wurde, ebenfalls objektbezogen, eine Engobe entwickelt, anthrazit-grau bis schwarz, die auf Wunsch des Architekten bei unterschiedlichem Lichteinfall einen unterschiedlichen Glanz ausstrahlt.
 
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