Brillanter Funktionsbau

Anerkennung Deutscher Fassadenpreis 2018 für VHF: Umspannwerk Sellerstraße, Berlin

 

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Die zurückhaltende Expressivität der Fassade transformiert präzise das Tageslicht und die Umgebung. Gleichzeitig kommuniziert sie subtil die technische Funktion im Innern. Foto: Andrew Alberts, Berlin

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Die Profilbauglas-Elemente sind zwischen zweifarbig beschichtete Aluminium-Lisenen gespannt. Foto: Andrew Alberts, Berlin

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Die Glaselemente der Fassadenbekleidung sind in der Vertikalen gekippt und alternierend angeordnet. So erzeugt die VHF ein präzises Spiel von Transluzenz, Reflektion und Verschattung. Foto: Andrew Alberts, Berlin

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Die dreidimensionale Glasfassade erzeugt beim Vorbeigehen eine stetig wechselnde Lichtbrechung. Foto: Andrew Alberts, Berlin

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Für den Fassadenbereich um die Transformatorenkammern kamen integrierte Akustikjalousien und matt beschichtete Glattbleche zum Einsatz. Foto: Andrew Alberts, Berlin

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Mit klaren Linien und eleganter Leichtigkeit fügt sich der Baukörper zu Bürobauten, expressionistischem Bestand und der künftigen urbanen Nachverdichtung. Foto: Andrew Alberts, Berlin

Das neue Umspannwerk in Berlin-Mitte liegt in unmittelbarer Nachbarschaft eines denkmalgeschützten Abspannwerks von 1928. Der expressionistische Backsteinbau ist bereits vor 14 Jahren zum Kundenbüro des Stromversorgers transformiert worden. Mit dem Neubau in der Sellerstraße wird nun die Tradition der Energieversorgung an diesem Standort fortgeführt. Seit Inbetriebnahme liefert das Umspannwerk Strom für den Berliner Wedding. Künftig wird es auch 19.000 Haushalte und 3.000 gewerbliche Nutzungen der Europacity versorgen, die nördlich des Berliner Hauptbahnhofs projektiert ist.

HEIDE & VON BECKERATH planten ihren Funktionsbau hinsichtlich seiner technischen Anforderungen als autonomes Bauwerk, das neben administrativen Bereichen und Räumen für den temporären Aufenthalt von Mitarbeitern eine gasisolierte 110-kV Hochspannungsschaltanlage sowie eine luftisolierte 10-kV-Schaltanlage beherbergt. In Bezug auf Kubatur, Ausrichtung und Gestaltung ist der Neubau jedoch elementarer Bestandteil eines baukörperlich ausdifferenzierten Gebäudeensembles, für dessen Grundstück die Architekten im Vorfeld einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan mit der Stadt vereinbart haben. Langfristig sind für das Gebiet nördlich der Sellerstraße auch die sukzessive Nachverdichtung und die Reintegration des bisher isoliert liegenden pharmazeutischen Bayer-Campus in den Stadtkörper geplant.

Mit einer Vorgehängten Hinterlüfteten Fassade gelang den Architekten eine differenzierte Gebäudehülle, die technische und baukulturelle Anforderungen gleichermaßen erfüllt. Dabei wählten sie für die VHF zwei unterschiedliche Bekleidungswerkstoffe. Die Fassadenelemente aus Profilbauglas spannten sie zwischen zweifarbig beschichtete Aluminium-Lisenen und kippten diese, alternierend angeordnet, um drei Grad in der Vertikalen. In Bewegung, beim Vorübergehen entwickelt die dreidimensionale Glasfassade durch stetig wechselnde Lichtbrechung zusätzliche Qualitäten. Sie lässt den Betrachter im präzisen Spiel von Transluzenz, Reflektion und Verschattung an einem sachlichen, und dennoch inspirierten Dialog zwischen dem Objekt, umgebendem Licht und städtischem Kontext teilhaben. Für den Fassadenbereich um die Transformatorenkammern wählten HEIDE & VON BECKERATH integrierte Akustikjalousien und matt beschichtete Glattbleche. Diese ermöglichen Revisionen und heben den technischen Charakter des Gebäudes hervor. So richtete sich die Konstruktion der VHF auch insgesamt an den technischen Anforderungen der Nutzung aus. Die circa zwei Zentimeter breiten Fugen erfüllen brandschutztechnische Vorgaben. Ihre minimal mögliche Breite für den nötigen Rauchabzug ist eigens strömungstechnisch ermittelt worden. Die Jury lobte die konzeptionelle Brillanz der Fassadenlösung, die qualitätsvolle Einfachheit und Wandelbarkeit zeige: „Durch eine intelligente Konzeption, präzise Detailplanung und einen materialgerechten Einsatz einfachster Werkstoffe entsteht Qualität in der Gestalt, verbunden mit Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit, die so Aspekte der Nachhaltigkeit adressiert. Durch die Kombination einer zurückhaltend expressiven Fassade mit gezieltem Minimalismus in der technischen Umsetzung und einer beiläufigen Referenz auf die klassische Mies’sche Eckausbildung hält das Umspannwerk ein dezent subversives Element für den Architekturkenner bereit.“

Projektdaten

Projekt: Umspannwerk Sellerstraße, Berlin
Architekten: HEIDE & VON BECKERATH, Berlin
Bauherr: Stromnetz Berlin GmbH
Bekleidungswerkstoffe: Profilbauglas, Glattblechelemente
Unterkonstruktion: Metall, verdeckt befestigt
Dämmstoff: Mineralwolle, vlieskaschiert, 60 mm
Verarbeiter: FRANZEN Ingenieur- und Montagebau GmbH, Kottenheim
U-Wert Außenwand: keine Anforderung
Besonderheit: dreidimensionale, differenzierte Oberflächenwirkung
Fertigstellung: 2017
Fotograf: Andrew Alberts, Berlin

 
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