Aus alt wird neu!

Metamorphose der Siedlung Waldhof in Basel

Der Klimawandel und die neuen Energiesparziele von Bund und EU stellen Bauherren und Institutionen bei der Sanierung und Bauwerkserhaltung vor neue Herausforderungen. Dabei verbinden moderne Fassadenmaterialien urbane Tradition mit neuesten Technologien vorgehängter hinterlüfteter Fassaden (VHF). Sie tragen entscheidend zur Einhaltung der geforderten Nachhaltigkeitsprinzipien bei. Der sanierte Geschoßwohnungsbaukomplex der Siedlung Waldhof an der Reinacherstrasse 202 – 206 in Basel steht beispielhaft für solch eine gelungene energieeffiziente Objektsanierung. Im Zuge der Bauwerkserneuerung erhielt der Bestandsbau aus den 60er Jahren eine neue VHF-Fassade aus robusten Terracotta-Fassadenplatten.

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Durch die Sanierung mit einer VHF erstrahlt das Ensemble aus Wohnhochhaus und Mehrfamilienhaus in neuem Glanz mit authetischer Wirkung.
Foto: Martin Zeller

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Durch die Verankerungsart sind alle Horizontalfugen optisch geschlossen und die Aufhängepunkte nicht sichtbar. Alle Eckausbildungen sind mit 45 Grad gestellten und 300 mm breiten Keramikplatten gestaltet, die untereinander auf Gehrung geschnitten und in eine horizontale Unterkonstruktion eingehängt wurden.
Foto: Martin Zeller

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Der Einsatz hochqualitativer Materialien und die gewissenhafte Verarbeitung machen aus der vorgehängten hinterlüfteten Fassade eine sichere Zukunftsinvestition.
Foto: Martin Zeller

Die Immobilie befindet sich im Besitz der Neue Wohngenossenschaft in Basel. Die Bestandsarchitektur stammt von den Architekten Zwimpfer – Förderer. Sie umfasst ein 14-geschossiges Wohnhochhaus und ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus. Beide Gebäude sind auf einem Sockelbau aufgestellt, in dem sich eine Tankstelle und eine Tiefgarage befinden. Für die Sanierung zeichnen die Architekten vom Basler Baubüro in situ AG, verantwortlich. Sie wählten für ihre Bauaufgabe einen denkmalgeschützten Ansatz, aber ohne auf pragmatische kosteneffiziente Lösungen zu verzichten.

Die Bauaufgabe bestand darin, die Gebäudehülle so zu sanieren, das sie den heutigen Bedürfnissen an Lebensdauer und Energieeffizienz entspricht; nach innen mit hohem Wohnkomfort und nach außen mit einer attraktiven, modernen Vorhangfassade (200 mm Wärmedämmung in der VHF-Konstruktion, die den in der Schweiz geforderten Minergiestandard erreicht) und zeitlosem Ambiente. Aufgrund der sensiblen städtebaulich markanten Lage wurde eine Bekleidung aus Keramikplatten mit einer objektbezogenen Oberflächenstruktur entwickelt, die den Gebäude-Ausdruck des Bestands zwar aufnimmt jedoch neu interpretiert. Eine besondere Herausforderung stellte einerseits das praktisch freistehende Sichtmauerwerk dar. Es benötigte verschiedene Maßnahmen zur Sicherung seiner Tragfähigkeit. Des Weiteren musste die Wärmedämmung den geltenden Brandschutzanforderungen für Hochhäuser erfüllen. Ferner waren die Altlasten in Form von PCB Fugen im Beton und Asbestfugen in den Fensterbereichen zu entsorgen.

Unverwüstliche Terracotta-Fassadenplatten für das Hochhaus

Weil sich die neue Fassadenoberfläche in Struktur, Gestaltung und Farbe an den ursprünglichen Bestand (Vollbacksteine) möglichst identisch anlehnen sollte, wählten die Planer die Terracotta-Fassadenplatten vom Typ TerraLight / wire-strucked (28 mm Dicke, Modulhöhe 275 mm, Länge max. 1560 mm) mit einem Flächengewicht von 35 kg/m2. Es handelt sich hierbei um eines der robustesten und widerstandsfähigsten Materialien für die Fassadenbekleidung, die damit aufgrund moderner Herstellungs- und Veredelungsverfahren besonders pflegeleicht und langlebig ist. Seine Oberfläche ist beinahe völlig resistent gegen Wind und schlechtes Wetter, Nässe, Sonneneinstrahlung, aber auch gegenüber Abgasen und Umweltgiften. Die Platten wurden horizontal verlegt, die Fugen durch einen horizontal dilatierenden Stufenfalz von 10 mm Breite ausgebildet.

Hochwertige Unterkonstruktionssysteme für die VHF

Für das Sanierungsprojekt erarbeiteten die Spezialisten von Gasser Fassadentechnik AG, St. Gallen ein Konzept für die Unterkonstruktion und die Fassadenbekleidung. Ihr Leistungsumfang beinhaltete die Ausführungs- und Montageplanung von insgesamt ca. 5.500 m2 Fassadenfläche für das 14-geschossige Hochhaus mit 89 Wohnungen und das Mehrfamilienhaus mit 9 Wohneinheiten. „Allein eine ästhetische Fassade zu realisieren genügt uns nicht“, erläutert der Geschäftsführer Iwan Thür, „schließlich muss die Fassade über Jahre hinweg unter extremsten Bedingungen absolut sicher sein“, erklärt er. „Deshalb arbeiten wir ausschließlich mit qualitativ hochwertigen Unterkonstruktionssystemen und streng geprüften Materialien.“ Der Fassadenplaner Andrea Compagno aus Zürich gab dazu folgende Konstruktions- und Qualitätsmaßstäbe vor:
Auf die sichere Lastabtragung kommt es an!

Für die Unterkonstruktion des Hochhauses in der Waldhof-Siedlung kam nur eine nichtbrennbare Tragkonstruktion, bestehend aus einer Kombination aus Aluminium-Tragprofilen, Konsolen und Klammern in Frage, die sich flucht- und lotrecht ausrichten lässt. Außerdem sollte das System eine Ausrichtung in drei Richtungen zur Aufnahme der Rohbautoleranzen von ±25 mm erlauben. Bevorzugt wurde deshalb eine justierbare vertikale Unterkonstruktion für variable Klammerbefestigung der Fassadenplatten. Hinzu kam, dass das UK-System den Austausch einzelner Platten innerhalb einer geschlossenen Fassade ermöglichen sollte. Darüber hinaus sollte eine L-förmige und T-förmige Ausbildung der Tragprofile eine einwandfreie und ungehinderte Führung des Regenwassers nach außen gewährleisten und damit einer Verschmutzung der Fassadenplatte vorbeugen. Der Wandabstand bis zur Vorderkante der Bekleidung war mit ca. 320 mm vorgegeben.

Innovative Tragkonstruktionen für Zukunftsprojekte

Für die neue Terrakotta-Fassade empfahlen die Fassadenprofis ausschließlich bewährte Aluminium-Tragkonstruktionen, die für den Einsatz von großen planebenen Fassadenplatten und für Unterkonstruktionen mit variabler Klammerbefestigung konstruiert wurden. Vom 1. bis zum 7. Obergeschoss konnten die Traglasten noch konventionell mit einer Kombination aus Gleitpunktkonsolen und Tragprofilen (mit Ausnahme der Brüstungsbereiche) an die Backsteinwände montiert werden.

Ab dem 8. Obergeschoss wurden die Unterkonstruktionssysteme von BWM Dübel + Montagetechnik, System ATK 101, ATK 102 und ATK 102 Minor eingebaut. Aufgrund der stockwerküberspannenden Konstruktion wurden vertikale Profilstöße ausgebildet, die eine zwängungsfreie und gleichzeitig temperaturbedingte Längenänderung der Tragprofile ermöglichen. Die vertikalen Tragprofile wurden mit Stoßprofilen (Alu-Vierkantrohr 40/20mm) in Form eines Gerbergelenks ausgeführt. In den Vertikalprofilen wurden die Edelstahlklammern (A4) montiert und mit EPDM-Profil eingebaut. Diese Sicherungsmaßnahme verhindert seitliches Wandern der Platten. Alle Tragstöße mussten mit den horizontalen Fugen der Fassadenplatten exakt übereinstimmen.

Gute Arbeitsvorbereitung und Vormontage im Werk zahlen sich aus!

Die gewählte BWM-Konstruktion ATK 102 und ATK 102 Minor ermöglicht eine Teilverlagerung der Montage in das Herstellerwerk. Die BWM PRODUKTION GmbH , eine Tochtergesellschaft der BWM Dübel + Montagetechnik, konnte für das Projekt die Tragprofile nach Zeichnungsangaben der Firma Gasser Fassadentechnik auf die entsprechenden Einbaulängen zuschneiden, die erforderlichen Bohrungen mittels CNC-Stabbearbeitungszentrum exakt einbringen, die Edelstahlbefestigungsklammern an den Profilen vernieten und die erforderlichen EPDM-Profile vormontieren. Die so einzeln vorgefertigten Profile wurden zusätzlich mit den entsprechenden Positionsnummern gekennzeichnet und nach Montageabschnitten sortiert verpackt und geliefert.

Schnelle Montagen ohne Wärmebrücken

Die Terracottaplatten wurden schon bei der Herstellung im Produktionswerk mit Falzen und Nuten versehen so dass sie anschließend auf der Baustelle nur noch in die Unterkonstruktion eingehängt werden mussten. Das bedeutete wirtschaftliche Montagen und garantierte extrem kurze Montagezeiten. Außerdem lassen sich die Platten nachträglich zerstörungsfrei demontieren und wieder montieren. Die Gerüstanker können verdeckt und ohne Rücksicht auf die Fugen eingebaut werden. Durch die Verankerungsart sind alle Horizontalfugen optisch geschlossen und die Aufhängepunkte nicht sichtbar. Gleichzeitig wird der Wassereintrag in die Hinterlüftung/Dämmung wesentlich verringert.

Mit ATK 102 bzw. ATK 102 Minor gehören Ausbrüche am Ankerdorn der Vergangenheit an. Das System kommt mit deutlich weniger Aufhängepunkten und Montagebohrungen aus, als herkömmliche Konstruktionssysteme. Deshalb werden Wärmebrücken weitestgehend verhindert, statisch ungeeignete Versetzuntergründe überbrückt und Beschädigungen an Armierungen völlig verhindert. Statt großer Bohrungen für Mörtelanker sind kleinere Dübelanker ausreichend.

Wie neu und doch authetisch

Hier waren Spezialisten am Werk, die bei der Werkplanung alle Bestandteile der Fassadenkonstruktion berücksichtigten und zusätzlich die erhöhten Anforderungen des Brandschutzes erfüllten. Alle Eckausbildungen sind mit 45 Grad gestellten und 300 mm breiten Keramikplatten gestaltet, die untereinander auf Gehrung geschnitten und in eine horizontale Unterkonstruktion eingehängt wurden. Mit den bewährten Aluminium-Schienensystemen der Hersteller BWM Dübel und Montagetechnik und Gasser Fassadentechnik AG kein Problem, denn es sind in jedem Fall innovative und zuverlässige Tragkonstruktionen, mit denen sich zukünftige Bauaufgaben nachhaltig, wirtschaftlich und sicher lösen lassen. Die Sanierung konnte im Sommer 2013 erfolgreich abgeschlossen werden. Man könnte meinen, man steht vor einem Neubau. Technologie, Fortschritt und Ästhetik verbinden sich hier zu einem harmonischen Gesamteindruck.

Projektdaten

Projekt: Siedlung Waldhof, Basel
Bauherr: Neue Wohnbaugenossenschaft Basel
Architekt: Baubüro in situ AG, Basel
Fassadenplaner: Andrea Compagno, Zürich
Fertigstellung: 2013
Bekleidungswerkstoff: NBK Ceramic
Unterkonstruktion: Unterkonstruktion-Grundsystem: GFT Avanti / BWM ATK 101 - Unterkonstruktion, Aufbausystem: BWM ATK 102 und ATK 102 Minor, BWM Dübel + Montagetechnik GmbH
Verarbeiter: Marx AG, Muttenz
Fotograf: Martin Zeller

 
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