Ambitionierte Fachmarktarchitektur

Bauhaus Halensee, Berlin

Das BAUHAUS Halensee in Berlin liegt parallel zur Bahntrasse und am prominenten Endpunkt des Berliner Kurfürstendamms. Auf einem schwierigen Grundstück mit Geländesprung wurden die Berliner Architekten Thomas Müller Ivan Reimann mit ihrem Projekt sowohl der städtebaulichen Situation als auch der Funktion eines Fachcentrums gerecht. Sie konzipierten das zwischen Stadtautobahn und S-Bahn-Trasse gelegene Gebäudeensemble aus verschiedenen Blickrichtungen und versuchten nicht nur auf die Nachbarbebauung, sondern auch auf die angrenzenden Verkehrsräume zu antworten. Die seitlichen, bis zu 180 Meter langen Fassaden des Fachcentrums werden fast ausschließlich aus der Ferne wahrgenommen. Daher wurden sie auch für den Blick aus der Distanz gestaltet.

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Die Aufwertung eines Fachcentrums in dieser prominenten innerstädtischen Lage gelang im Sinne der Nutzung und auch im Sinne der Stadt.
Foto: Stefan Müller, Berlin

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Mit ihrer Gestaltung geben Thomas Müller und Ivan Reimann Architekten der an sich alltäglichen Bauaufgabe Qualität und Wirkung im Stadtraum. Die Faltung der Kassetten aus Aluminium-Verbundplatten verschafft der VHF besondere Plastizität.
Foto: Stefan Müller, Berlin

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Die plastische Aluminiumbekleidung der Fassaden vereinheitlicht die Bauvolumina. Sie reflektiert das Licht und wechselt durch unterschiedlichen Lichteinfall ihre Farbe und ihr Erscheinungsbild je nach Wetter und Tageszeit.
Foto: Stefan Müller, Berlin

Diese Fassaden sind horizontal gegliedert: Sie zeigen einen robusten Sockel, eine höherwertige Bekleidung im mittleren Teil, und ein leuchtendes Band im oberen Bereich, das als Oberlicht und Werbefläche zugleich dient. Dreidimensional gefaltete Kassetten aus silbergrauen, einbrennlackierten Aluminium-Verbundplatten bilden die prägnante Bekleidung der vorgehängten hinterlüfteten Fassade. Sie reflektiert das Licht und wechselt durch unterschiedlichen Lichteinfall ihre Farbe und ihr Erscheinungsbild je nach Wetter und Tageszeit. Dabei ist aus der Ferne nicht gleich erkennbar, ob das markante Licht- und Schattenspiel durch eine plastische Faltung oder eine aufgemalte Optik entsteht.

Die Fassade am Kopf des Gebäudes, am sogenannten Wintergarten, grenzt unmittelbar an den Kurfürstendamm an und wird von Passanten und Verkehrsteilnehmern als Teil des Stadtraums erlebt. Nach einem 1. Preis in einem eingeladenen Wettbewerb wurde der Bebauungsplan in einem langen Prozess mit dem Bauausschuss der Stadt abgestimmt. In dieser sehr prominenten, innerstädtischen Lage war keine simple Hallenbebauung denkbar. Verschiedene Fassadenstudien führten vielmehr zu einer expressiven Fassade, die mehrere Funktionen erfüllt. So ist die Faltung der Kassetten aus Aluminium-Verbundplatten nicht nur Spielerei, sondern auch technisch geboten. Denn auf diese Weise wird der Schall gestreut und Geräusche in verschiedene Richtungen gelenkt.

„Eigentlich eine pragmatische Konstruktion, die in den Anschlusspunkten allerdings hochkomplex ist“, so Architekt Ivan Reimann. Nach intensiver Planung, etlichen gefalteten Papiermustern und 1:1 Modellen wurden die Kassetten aus Aluminium-Verbundplatten von versierten Fassadenbauern zügig an einer Aluminium-Unterkonstruktion eingehängt. Die Jury des Deutschen Fassadenpreises 2015 für VHF zeichnete die herausragende Qualität des Baumarkts mit einer Anerkennung aus. Sie urteilte: „Mithilfe der Kubatur, der prägnanten Eingangssituation und der technisch geprägten Anmutung der Fassade lösen die Architekten Müller Reimann diese Aufgabe auf vorbildliche Weise. Durch großflächige Gliederung des Volumens in ,Fassadenbilder‘ – als Lichtband, Glasausschnitte, Wintergarten und der prägnanten, gefalteten Aluminiumbekleidung – entsteht eine wohlausgewogene Komposition. Durch das markante Licht- und Schattenspiel und die technische Brillanz der Fassadenelemente wird eine hohe, positive Aufmerksamkeit erzeugt (…) Die häufig serielle und wenig ambitionierte Fachmarkt architektur erfährt eine Aufwertung in Richtung der Anmutung eines hochwertigen Industrie- oder Verkehrsbauwerkes. Die Fassade ist Bedeutungsträger dieses Qualitätszuwachses und kann Referenz für die mögliche Aufwertung von Fachmarktarchitekturen auch anderenorts sein.“

Projektdaten

Projekt: BAUHAUS Fachcentrum Halensee, Berlin
Architekten: Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Bauherr: BAUHAUS AG, Mannheim
Bekleidungswerkstoff: Kassetten aus Aluminium-Verbundplatten, verdeckt befestigt
Unterkonstruktion: Aluminium
Dämmung: Steinwolle, 160 mm
Verarbeiter: Henke AG
U-Wert Außenwand: 0,34 W/m2K
Fertigstellung: 2013
Fotograf: Stefan Müller, Berlin

 
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