Bunte Waben mit System

Kindertagesstätte St. Johannes, Dingolfing

Das Erkennen von Farben lernen Kinder schon in recht frühen Jahren. Darauf aufbauend haben die Architekten arch|ing ostermeier, Dingolfing, ihre neue heimische Kindertagesstätte, St. Johannes, geplant. Fünf nach Süden bzw. Westen orientierte wabenförmige Häuser sind in unterschiedlichen Farben gestaltet und gruppieren sich, zusammen mit den nach Norden bzw. Osten ausgerichteten übergeordneten Raumeinheiten locker um einen mäanderförmigen Flurbereich

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Der Blick von Südwesten über die Spielwiese auf die wabenförmigen Gruppenhäuser zeigt, dass jede Wabe über die vorgehängte hinterlüftete Fassade einen anderen Farbeindruck vermittelt. Die Kinder erhalten so Orientierungshilfen.
Foto: MOEDING Keramikfassaden GmbH (Toni Ott, Landshut)

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Die Waben, getrennt durch einen niedrigeren Garderobenraum, sind bis zu 5,50m hoch. Daher wurden die vorgehängt und hinterlüftet montierten Keramik-Paneele in der Vertikalen jeweils einmal geteilt. Die verspringenden Fugen erzeugen so eine "vernähte" Optik.
Foto: MOEDING Keramikfassaden GmbH (Toni Ott, Landshut)

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Das Farbkonzept aller Fassadenbekleidungen ist systemgleich. EIne Leitfarbe und eine Farbvariante wechseln sich jeweils mit Anthrazit, Grau und Weiß ab. So entstand eine VHF mit Vielfalt und Systematik.
Foto: MOEDING Keramikfassaden GmbH (Toni Ott, Landshut)

Wenn die Kinder morgens von ihren Eltern gebracht werden und über das Eingangsfoyer ihr temporäres Zuhause betreten, folgen sie einfach nur den Farben der Fußböden und erreichen so zielsicher ihre Gruppen. Und wenn es nach dem Spielen auf dem rückwärtigen gartenseitigen Gelände wieder „reinkommen“ heißt, so finden sie ihre Gruppenwabe auch von hier aus leicht wieder, konsequent hinter den in entsprechenden Farben glasierten vorgehängten hinterlüfteten Ziegelfassaden. Erste kleine Lernschritte zu systematischer Logik.

Städtebaulich im sicheren Bereich

Der Standort der neuen Kindertagesstätte liegt im Zentrum von Dingolfing in unmittelbarer Nachbarschaft von Rathaus, Stadthalle und Schulzentrum und schließt zugleich auf deren gegenüberliegender Seite die Flucht der Stadionstraße. Dabei ermöglicht die Anbindung der Schulen das gleichzeitige An- und Abfahren von Kindergarten- und Schulkindern. Die winkelförmige Situierung des neuen Kita-Gebäudes entlang eines Geh- und Fahrradweges trennt den Kindergartenbereich mit Garten und Spielplatz zugleich vom öffentlichen Verkehr. Durch die eingeschossige Randbebauung, die Grünflächen und das nach Süden ansteigende Gelände ist eine Art Hofsituation entstanden, die den Kindern einen geschützten Bereich zum unbeschwerten Spielen ermöglicht. Eine grüne Schutzzone grenzt darüber hinaus den Eingangsbereich der Kita von den Verkehrsflächen des Rathauses ab, - als zonierter Vorplatz -, der ein unkontrolliertes Verlassen des Geländes durch die Kinder verhindert.

Konsequente Farb-Navigation durch die VHF

Das Gebäude ist als Massivbau konzipiert mit erhöhtem Wärmeschutz, mit Gründach und vorgehängter, wärmegedämmter und hinterlüfteter Moeding-Ziegelfassade. Damit die Kinder ihre Gruppen besser wiedererkennen und wiederfinden können, sind die fünf zugeordneten Wabenelemente alle in unterschiedlichen Farben gestaltet. Die stehend montierten Keramikelemente der Fassadenbekleidungen in Breiten zwischen 200 und 400 mm sind farbig glasiert. Und da hier der jeweiligen Leitfarbe stets eine Farbvariante (z.B. Verkehrsrot und Weinrot) im Wechsel mit Grau, Anthrazit und Weiß zugeordnet wurden, sind die Fassadenbilder durch ein fröhlich bewegtes Streifenmuster geprägt. Mit Rücksicht auf die Fassadenhöhen der einzelnen Waben von bis zu 5,5 m sind die Paneele in der Vertikalen jeweils einmal geteilt. Dabei verspringt die Fuge von Platte zu Platte und erzeugt auf diese Weise eine „vernähte“ Optik. Die Höhe der Longoton-Ziegelplatten variiert entsprechend zwischen 2100 und 2700 mm. Montiert sind die Elemente auf horizontalen Aluminium-Tragprofilen. Das System der vorgehängten hinterlüfteten Fassade und die Materialien sind natürlich und recyclefähig und unterstützen damit die geforderte Nachhaltigkeit dieser neuen baulichen Anlage.

Trennung der Funktionsbereiche

Über den gemeinsamen Zugang von Kindergarten und Krippe von der Nordseite, gelangt man zunächst in das Foyer mit Elternwarteraum und von dort aus zu den einzelnen Gruppenräumen und Funktionsbereichen. Die geräuschintensiveren Einrichtungen wie Mehrzweckraum, Klangraum und Krabbelnest, ebenso wie alle Nebenräume, orientieren sich dabei zu den öffentlichen Verkehrsflächen im nördlichen Teil des Gebäudes. Die Gruppen- und Gruppennebenräume mit bodentief verglasten Fenstertüren öffnen sich hingegen zum Garten. Terrassen und beschattete Freiflächen sind ihnen vorgelagert. Sämtliche Bereiche haben barrierefreie Zugänge.

Ein umfassendes Raumprogramm, systematisch strukturiert und gestaltet und geschickt eingefügt in die topografische Situation der Landschaft, sind gute Voraussetzungen, frühzeitig und nachhaltig das Bewusstsein für Orientierung, Ordnung und Disziplin zu prägen. Die abwechslungsreihen Farben, in denen die vorgehängte hinterlüftete Fassade strahlt, verleihen dem Ensemble eine fröhliches, kindgerechte Optik.

Projektdaten

Projekt: Kindertagesstätte St. Johannes, Dingolfing
Bauherr: Stadt Dingolfing, Dingolfing
Standort: 84130 Dingolfing
Architekt: arch|ing ostermeier, Dingolfing
Fertigstellung: September 2013
Bekleidungswerkstoff: Moeding Keramikfassaden GmbH, Marklkofen
Unterkonstruktion: Aluminium
Verarbeiter: AS-Fassaden GmbH, Gars-Bahnhof
Fotograf: MOEDING Keramikfassaden GmbH - Toni Ott, Landshut

 
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