06.12.2012

Baukultureller Anspruch und Großsiedlungen schließen sich nicht aus

13. Deutscher Fassadentag

Von der Tortilla-Krise über die vierte Säule der Nachhaltigkeit bis hin zur vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) als aktiver Klimaschutz und den sechs Regeln der Baukultur bot der 13. Deutsche Fassadentag in München ein spannendes Themenspektrum. Unter der Überschrift: „Wohnungswirtschaft und Nachhaltigkeit. Alles nur Fassade?“ kamen am 28. November 2012 rund 80 Teilnehmer aus Architektur, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, der Bauindustrie und dem Kreis der Fachverarbeiter zusammen.

13. Deutscher Fassadentag in Münchenzoom
Rund 80 Teilnehmer kamen zum 13. Deutschen Fassadentag unter dem Motto „Wohnungswirtschaft und Nachhaltigkeit. Alles nur Fassade?“ in München zusammen.
Foto: FVHF
Podiumsdiskussion beim 13.. Deutschen Fassadentag in Münchenzoom
Abschließende Podiumsdiskussion auf dem 13. Deutschen Fassadentag in München, v.l.n.r.: Ulrike Silberberg, Prof. Andreas Hild, Prof. Michael Braum, Ralf Protz und Dr.-Ing. Jens-Uwe Fischer
Foto: FVHF

„Der 13. Deutsche Fassadentag war ein voller Erfolg“, resümiert Siegfried Moll, Vorstandsvorsitzender des Fachverbandes Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden, FVHF e.V. „Zahlreiche Beispiele aus der Wohnungswirtschaft veranschaulichten, dass insbesondere in Großsiedlungen die Fassadengestaltung – im Zuge einer energieeffizienten Sanierung – eine tragende Rolle spielt und zur Aufwertung und Identifikation der Bewohner mit dem Quartier führt.“ Auf Einladung des FVHF referierten Prof. Dr.-Ing. Jens-Uwe Fischer vom Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig, Ralf Protz, Leiter des Berliner Kompetenzzentrums Großsiedlungen e.V., Prof. Andreas Hild, von Hild und K Architekten BDA aus München und Prof. Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur.

Verdichtung statt Zersiedlung
Am Beispiel der Tortilla-Krise* erläuterte Dr. Jens-Uwe Fischer, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht eindimensional betrachtet werden darf, sondern dass der Verbrauch von Flächen und Rohstoffen stetig angepasst und überprüft werden muss. Übersetzt auf die Ballungszentren plädierte Dr. Fischer für die „Stadt der kurzen Wege“ wo Wohnen, Freizeit und Arbeit in einem Quartier stattfinden. Zudem kann und sollte die vorgehängte hinterlüftete Fassade in Zukunft mehr leisten. So zum Beispiel als aktiver Wärmespeicher und Kühlsystem.

Die Fassade als Adresse denken
Ralf Protz vom Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. veranschaulichte das Potenzial der großen Wohnsiedlungen. So ist es wünschenswert, dass bei einer Sanierung die vorhandenen Qualitäten erkannt und erhalten werden. In diesem Zusammenhang sprach sich Protz für eine vierte Säule der Nachhaltigkeit aus, die sich neben der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen auch zu einer baukulturellen Verantwortung bekennt. Eine energetisch hochwertige sanierte Fassade kann das Haus zu einer „Adresse“ machen, mit der sich die Bewohner identifizieren.

Die Teile und das Ganze
Prof. Andreas Hild berichtete anhand von gebauten Beispielen aus dem Architekturbüro Hild + K von Materialität und Plastizität einer Fassade. Vor- und Rücksprünge, Überschneidungen und bündige Übergänge zwischen verschiedenen Werkstoffen machen die vorgehängte hinterlüftete Fassade lebendig und schaffen Präsenz und Qualität im Stadtraum. Darüber hinaus machte Prof. Hild auch den entscheidenden Unterschied im Vergleich zum Wärmedämmverbundsystem deutlich: Die Systemkomponenten der VHF lassen sich trennen und in den Werkstoffkreislauf zurückführen. Damit sind vorgehängte hinterlüftete Fassaden wesentlich nachhaltiger. Ein Thema, dem sich Architekten und Unternehmen auch bei Umbau und Weiternutzung und im Hinblick auf graue Energie in Zukunft stellen müssen.

Ein Recht auf Baukultur
Als Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur mahnte Prof. Michael Braum einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und empfahl die VHF als identitätsstiftend. Vergleichbar mit einem Mobile überzeugt Baukultur nur dann, wenn sich die einzelnen Bestandteile in einem sinnfälligen Miteinander bewegen. Um das zu erreichen, plädierte Prof. Braum für die sechs „Rechte der Baukultur“. Nämlich auf das Recht auf nachhaltigen Einsatz von Ressourcen. Das Recht auf Respekt vor dem Bestand. Das Recht auf Identität sowie das Recht auf Landschaft, auf Schönheit und auf Diskussionskultur.

Alles nur Fassade?
In der abschließenden Podiumsdiskussion resümierte Moderatorin Ulrike Silberberg, Chefredakteurin der DW Die Wohnungswirtschaft, dass Großsiedlungen und baukultureller Anspruch einander nicht ausschließen und hier integrierte Nachhaltigkeitskonzepte gefragt sind.


Der 13. Deutsche Fassadentag gab den Startschuss für das kommende Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen zum Thema „VHF – Fassade der Zukunft“. Im Jubiläumsjahr 2013 feiert der FVHF zudem sein 20-jähriges Bestehen und zehn Jahre Deutscher Fassadenpreis für VHF. Der 14. Deutsche Fassadentag findet im Mai 2013 in Heidelberg statt. Thematisch geht es dann darum: Wie stellen wir uns die Fassade der Zukunft vor? Welche Lösungen sind zukunftsfähig? Wo und wie gilt es diese weiterzudenken?

Der FVHF im Profil
Im Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden e.V. (FVHF), Berlin, haben sich seit 1993 Hersteller und Verarbeiter sowie planende und beratende Ingenieure zusammengeschlossen. Zu den Zielen des FVHF gehört es, die bauphysikalisch und architektonisch anspruchsvolle Ausführung und Gestaltung von Fassaden im Neubau und bei der Modernisierung von Bestandsgebäuden zu fördern. Seine Aufgabe sieht der FVHF darin, die Vorteile der vorgehängten hinterlüfteten Fassade bei Planern, Behörden, Verbänden und Bauherren zu kommunizieren. Für Fragen zur Fassadenplanung stehen Mitarbeiter des FVHF als herstellerneutrale, kompetente Berater bereit. Der FVHF ist außerordentliches Mitglied im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.


*Tortilla-Krise: 2007 fielen der Beitritt Mexikos zum Freihandelsabkommen Nafta und die in den USA steigende Nachfrage nach Mais zur Produktion von Biokraftstoff für Autos zusammen. Das führte dazu, dass viele Mexikaner das Grundnahrungsmittel zur Herstellung der Tortillas kaum noch bezahlen konnten.


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