Imposante Fassade prägt die neue Stadtmitte

Finanzamt in Halle

Die Stadt Halle (Saale) gibt sich ein neues Kleid. Dies gilt nicht nur für die Sanierung der Bestandsgebäude, wo man den Fortschritten der letzten Jahre auf Schritt und Tritt begegnet. Indiz für diese Neuausrichtung ist die hohe Dynamik der Bevölkerungsentwicklung. Diese wirkt sich auf alle Bereiche des städtischen Lebens aus und stellt hohe Anforderungen unter anderem an die Entwicklung und Anpassung des Bedarfs an Wohnraum, Schulen, Kindertagesstätten, Einkaufsmöglichkeiten, kulturellen Einrichtungen, technischer Infrastruktur und Verkehrsinfrastruktur. Daher werden komplette Bereiche der Stadt im Laufe der nächsten Jahre den Bedürfnissen der Hallenser angepasst. Die Neuausrichtung Halles erforderte auch den Neubau einer Finanzbehörde. Das Land Sachsen-Anhalt entschied sich für einen Investorenausschreibung als PPP-Projekt und beauftragte damit die GP Real Estate GmbH, ein Unternehmen der GP Hochbau GmbH. Der Verwaltungsneubau wird vom Bauunternehmen Papenburg finanziert, gebaut und als Gebäude auch betrieben. Die Projektabwicklung war kennzeichnet von der Vorgabe, eine nachhaltige wirtschaftliche Bauweise in relativ kurzer Bauzeit mit modernen Materialien zu realisieren.

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Der Neubau prägt mit seiner imposanten Fassadenfront das Stadtbild der Innenstadt von Halle (Saale).
Foto: BWM Dübel + Montagetechnik, Leinfelden-Echterdingen

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Die Wahl des Bekleidungs- und Unterkonstruktionsmaterials sowie die einzelnen Bauteilgrößen haben unmittelbaren Einfluss auf das Fassadenbild.
Foto: BWM Dübel + Montagetechnik, Leinfelden-Echterdingen

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Durch die farbliche Akzentuierung gelang mit viel Fingerspitzengefühl nicht nur eine  optische Plastizität,  sondern auch eine gewollte, gleichmäßige Tiefenstruktur. 
Foto: BWM Dübel + Montagetechnik, Leinfelden-Echterdingen

Planung und Architektur
Das neue Finanzamt Halle, das in vielerlei Hinsicht beeindruckende Statistiken aufstellt, befindet sich im Grundstücksdreieck von Hallorenring/Hallmarkt/Planstraße, umgeben von einer gründerzeitlich geprägten Wohn- und Geschäftsbebauung. Für die Architektur zeichnet das Architekturbüro HPP Hentrich Petschnigg & Partner, Niederlassung Leipzig. Ihr Entwurf interpretiert das Abbild eines historischen Amtsgebäudes mit Stilmerkmalen aus der Gründerzeit. Der neue Gebäudekomplex schließt eine langjährige innerstädtische Baulücke und fungiert als verbindendes Element zwischen dem großformatigen Bestandsgebäude der Händelhalle (Konzerthalle NDR-Sendezentrale) auf der Rückseite und weiterhin auf der Vorderseite, durch die Stadtwerke einerseits und andererseits durch die partielle Bebauung der gründerzeitlichen Blockrandbebauung. Das neue Finanzamt verfügt über insgesamt drei Fassaden, die sich aus der Lage ergebenden Gebäudeaußenecken sind entweder mit stumpfem oder spitzem Winkel zusammengeführt.

Strenge Gliederung und klare Gestaltung
Die feingliedrige Lochfassade wurde unmittelbar aus der Gebäude- und Büroraumrasterung hergeleitet. Die insgesamt fünfteilige Hauptfassade durchbrechen zwei Lichthöfe. Der dominante mittlere Part fungiert dabei als eine Art Regalit, dem rechts und links Flügelbauten angegliedert sind, die durch die Lichthöfe auf Abstand gebracht wurden. Die charakteristische Ausbildung ergibt sich aus dem vorgegebenen Materialwechsel.
Diese Fassadengestaltung aus städtebaulicher Sicht betrachtet, ist nicht nur zwei- sondern dreidimensional ausgeführt. Jeder Gebäudeteil hat einen anderen Winkel zum leicht abgeknickten Straßenverlauf. Bei näherer Betrachtung erkennt man einen abstrakten Linienverlauf, der sich wie ein langes Band an der Fassade entlangwindet und mit sehr feinen Grafitlisenen vertikal gliedert ist.Diese Fassadengestaltung aus städtebaulicher Sicht betrachtet, ist nicht nur zwei- sondern dreidimensional ausgeführt. Jeder Gebäudeteil hat einen anderen Winkel zum leicht abgeknickten Straßenverlauf. Bei näherer Betrachtung erkennt man einen abstrakten Linienverlauf, der sich wie ein langes Band an der Fassade entlangwindet und mit sehr feinen Grafitlisenen vertikal gliedert ist. Diese Lisenen sind teilweise konstruktiv bedingt (durch die Glaskonstruktion der Lichthoffassade) und fungieren andererseits als Trennung zwischen Paneelen und Verglasungen zu den angeschlossenen Gebäudefassaden.

Glas und Alucobold als bestimmende Fassadenmaterialien
Als Lösung für die komplexe Bauaufgabe präsentierte HPP ein technisch hochwertiges Fassadensystem bei dem die funktionalen Ebenen „Wetterschutz“ und „Wärmeschutz“ räumlich und konstruktiv voneinander getrennt sind. Sogenannte vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) gehören heute zu den technisch hochwertigsten Fassadensystemen. Glas- und Alucobond-Elemente in den Farben Anthrazit und Sunrize-Silber, sind die bestimmenden Materialien der drei Fassaden. Die Vorzüge von Alucobond erlauben eine schnelle und wirtschaftliche überdeckende Stecktechnik mit tiefen Fugen, die absichtlich so ausgebildet wurden, um aufwendige Kantungen zu vermeiden. Durch die farbliche Akzentuierung gelang mit viel Fingerspitzengefühl nicht nur eine optische Plastizität, sondern auch eine gewollte, gleichmäßige Tiefenstruktur. Auf diese Weise entstand eine flügelüberdeckende Konstruktion, die dem Betrachter einen dreidimensionalen Effekt veranschaulicht. Dadurch wirkt die Fassade noch aufgeräumter und noch klarer.
Vertikale und horizontale Aluminiumschwerter markieren die Deckenschichten und die Geschosse. Sie ziehen sich ringsum das Gebäude. Der unterste Streifen ragt im Haupteingangsbereich ca. drei Meter weit nach vorn heraus und bildet das Vordach über dem Eingangsbereich mit dem dahinter liegenden großzügigen Foyer. In horizontaler Richtung ist jedes Geschoss klar mit Aluminiumschwertern gegliedert so dass die Positionierung von Verglasung oder Paneelen immer auf einer einheitlichen Ebene zu sehen ist. Diese Schwerter teilen wiederum diese Struktur. Aus dem flachen Winkel betrachtet, ergibt diese Gestaltung ein sehr abstraktes Fassadenbild.

Vorgehängt und hinterlüftet für Mehrwert in der Architektur
Die VHF-Konstruktion bietet eine große Bandbreite individueller Gestaltungsmöglichkeiten. Voraussetzung ist allerdings ein statisch tragender Verankerungsgrund. Um die dauerhaft einwandfreie technische und optische Qualität der Fassade gewährleisten zu können, war es besonders wichtig, schon während der Planungsphase die thermische Ausdehnung der verschiedenen Bekleidungsbauteile, deren geometrisch bedingte Hauptausdehnungsrichtung sowie deren materialspezifischen Ausdehnungskoeffizienten zu berücksichtigen. Die Wahl des Bekleidungs- und Unterkonstruktionsmaterials sowie die einzelnen Bauteilgrößen haben unmittelbaren Einfluss auf die vertikale und horizontale Gestaltung.

Auf den Verankerungsgrund kommt es an!
Die Tragkonstruktion des Gebäudes besteht aus einem Skelett aus Stahlbeton. Darauf wurde eine mineralische Wärmedämmung (Fixrock 0,35/160 13051-1, Klasse B - schwer entflammbar) verlegt. Als Unterkonstruktion für die Vorhangmaterialien dienen die bewährten Aluminiumtragprofile von BWM Dübel + Montagetechnik aus Leinfelden-Echterdingen. Der Hersteller bewährter Aluminiumtragkonstruktionen (ATK) plant und entwickelt projektbezogene Haltesysteme und liefert auch den statischen Nachweis dafür. Die Abstände der benötigten Komponenten aus Aluminium oder Edelstahl richten sich nach dem vorgegebenen Fugenraster. Die Befestigungsabstände werden von BWM bemessen. Sie richten sich nach Windzonen, Verankerungsgrund, etc, die Art der Befestigung nach vorgegebenen Dübellasten.
In Halle kam das Halteprofil ATK 100 Minor für die sichtbare Direktbefestigung von Aluminiumtafeln zum Einsatz. Es erlaubt Befestigungen sowohl als horizontale als auch als vertikale Anordnungen. Für die Verankerung im Betonuntergrund wählten die Fachmonteure je nach Befestigungsebene entsprechende Wandwinkel (170 und 194 Millimeter Länge). Die dauerhafte Befestigung erfolgte mit rostfreien Nieten, deren Köpfe farblich an die Fassadenmaterialien angeglichen wurde. Alle Fassadenflächen konnten mit nur einem Unterkonstruktionssystem dauerhaft sicher befestigt und verankert werden. Hier waren Fachleute am Werk, das kann man schon von weitem sehen.

Profis für die Werkplanung und Fachmontage einer VHF
Das Gewerk Gebäudehülle mit der erforderlichen Werkplanung und Fachmontage einschließlich aller Anpassungen und Einfassungen sicherte sich das Fassadenbau-Unternehmen WF-Bau aus Barleben. Der Verarbeiter hat sich auf die komplette Herstellung von anspruchsvollen VHF-Konstruktionen mit unterschiedlichen Vorhangmaterialien spezialisiert. Mit eigener moderner CNC-Fertigung und eigenen Fachmonteuren wurde aus der Idee der Architekten eine signifikante Gebäudehülle realisiert.
Die Fassadenbauteile wurde in der Metallbearbeitung bei WF-Bau in Barleben, einschließlich aller Anschluss – und Passstücke, wie z.B. Lisenen, Leibungen, Wasserführungswinkeln, Attiken, etc., hergestellt, vorkonfektioniert und montagefertig per LKW an das jeweilige Baufeld der Großbaustelle nach Halle befördert. Die Logistik erforderte aufgrund der exponierten und stark frequentierten Innenstadtlage genaue Absprachen und vorausschauende Terminplanungen.

Besondere Herausforderung
Die besondere Herausforderung an den Fassadenbauer bestand in der exakten Anpassung und Einhaltung der vorgegebenen vertikalen und horizontalen Raster, was eine aufwendige Einmessung und Herstellung einzelner Fassadenkomponenten erforderte. Die unterschiedlichen Maße der Fenster und die unterschiedlichen Achsmaße mussten optisch angeglichen werden. Zusätzliche Wasserführungswinkel in der gesamten Fassade verhindern, dass Schlagregen von außen in die Konstruktion eintritt. Darüber hinaus war gefordert, dass die vertikalen und horizontalen Fassadenschwerter eine einheitliche Breite aufweisen. Hinzu kam, dass alle Fenster, obwohl sie unterschiedlich groß dimensioniert sind, den gleichen Achsabstand aufweisen mussten, was zu vorausschauenden, gewerkeübergreifenden zusätzlichen Absprachen mit dem Stahlbauer hinsichtlich der entsprechenden Vorbohrungen führte. Die ca. 4.300 Quadratmeter umfassende Fassade besteht aus verschiedene Geometrien, die von WF-Bau einzeln eingemessen, angefertigt und nach Verlegungsplan, incl. aller Pass- und Anschlussstücke mit eigenen Fachmonteuren regelsicher und fachgerecht montiert wurden.
Dank einheitlicher Befestigungstechnik konnte die Fassade schnell und exakt geschlossen werden. Sie überzeugt ästhetisch wie funktional. Die vertikalen und horizontalen Lisenen unterstreichen die feine Gliederung. Die zurückspringenden Fenster wirken elegant. Alle Übergänge sind professionell und passgenau ausgebildet. Die Unterkonstruktion und das Vorhangmaterial bilden eine konstruktive Einheit.
Die Tragkonstruktion von BWM war auch bei dieser VHF wieder eine gute Wahl. Der Neubau konnte im Januar 2016 nach nur rasanten 20 Monaten Bauzeit seiner Bestimmung übergeben werden. Mit 33,3 Millionen Euro für Grundstück und Gebäude war es das größte Bauprojekt Sachsen-Anhalts im Jahr 2015. Auf rund 19.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, verteilt auf fünf Geschosse, wurden Büros, Besprechungs- und Sozialräume für insgesamt 458 Mitarbeiter geschaffen.




Projektdaten

Projekt: Finanzamt in Halle
Bauherr: Land Sachsen-Anhalt
Standort: Halle (Saale)
Architekt: HPP Hentrich Petschnigg & Partner, Niederlassung Leipzig
Fertigstellung: 2016
Bekleidungswerkstoff: Aluminiumtafeln
Unterkonstruktion: Aluminiumtragprofile
Dämmung: mineralische Wärmedämmung (Fixrock 0,35/160 13051-1, Klasse B - schwer entflammbar)
Befestigung: rostfreien Nieten, deren Köpfe farblich an die Fassadenmaterialien angeglichen wurde
Verarbeiter: BWM Dübel + Montagetechnik GmbH
Fotograf: BWM Dübel + Montagetechnik GmbH

 
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