Vom Energieverbraucher zum Energieproduzenten

Neubau Energie-Plus-Haus in Wetzlar

Mit einem Plus-Energie-Plus-Konzept kann sich ein Haus vom Energieverbraucher zum Energieproduzenten mausern. Doch wie genau funktioniert das? Bei einem innovativen Bauprojekt in Wetzlar war eine vorgehängte hinterlüftete Fassade der besonderen Art mitentscheidend für die Realisierung dieses Vorhabens. Eine Solarthermie-Fassade trägt maßgeblich zur Senkung der Energiekosten für Heizung bzw. Klimatisierung bei.

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Anders als gewöhnliche Häuser ist das neuartige Energie-Plus-Haus von Buderus kein Energieverbraucher, sondern ein Energieproduzent
Foto: BWM Dübel- und Montagetechnik GmbH

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Die vorgehängte hinterlüftete Solarthermie-Fassade besteht aus solaraktiven Solarthermieelementen
Foto: BWM Dübel- und Montagetechnik GmbH

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Die Fassaden-Bekleidung vereint moderne Optik mit Energieeinsparung - eine gute Kombination
Foto: BWM Dübel- und Montagetechnik GmbH

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Hinter der vorgehängten hinterlüfteten Fassade steckt eine Aluminium-Unterkonstruktion
Foto: BWM Dübel- und Montagetechnik GmbH

Damit sich ein Gebäude vom Energieverbraucher zum -produzenten mausern kann, müssen mindestens drei Voraussetzungen erfüllt werden. Zunächst gilt es, den Verbrauch durch eine optimierte Gebäudehülle und die Nutzung von Restenergieströmen gering zu halten. Der verbleibende Energiebedarf wird effizient gedeckt. Zudem muss das Gebäude selbst so viel Strom wie möglich erzeugen. Um diese Anforderungen zu erfüllen, wurde ein neuartiges Energie-Plus-Haus in Wetzlar konstruiert, errichtet und mit modernen Komponenten ausgestattet.

Einsparpotentiale mit VHF: Nachhaltiges Wohnen ist schon heute möglich
Das Schwörer Fertighaus wurde in Holzständerbauweise errichtet. Es verfügt über eine Gefachdämmung (300 Millimeter dick) und eine Dampfsperre mit beidseitiger Beplankung. Außen sind eine Winddichtfolie und eine vertikal laufende KVH-Lattung 3/6 cm angebracht. Diese bildet zusammen mit der Holzständerkonstruktion den Verankerungsuntergrund für die Ebene der hinterlüfteten Solarthermie-Fassade. An der Fassade wurden Solarthermie-Kollektoren mit einer Maximalgröße von 1.300 x 1.100 Millimetern montiert, thermisch nicht aktive Pass-und Kleinelemente vervollständigen die Konstruktion. Durch die vorgehängte hinterlüftete Fassade wird gemeinsam mit anderen Komponenten das Energie-Einsparpotenzial im tatsächlichen Gebrauch ermittelt. Das Bauprojekt wirkt somit an der Entwicklung zukünftiger Energiesysteme mit.

Auf die richtige Unterkonstruktion kommt es an
Der ausführende Verleger, Fassadentechnik Schmidt, empfahl für die Befestigung des VHF-Aufbaus eine Unterkonstruktion von BWM Dübel- und Montagetechnik, genauer gesagt ein Agraffen-Tragprofil. Der Hersteller BWM bietet für die diversen Fassadenplattentypen sogar verschiedene Ausführungen und Stärken an. Bei dem Wetzlarer Wohnungsbauprojekt erfolgte die Verankerung mit Edelstahlschrauben im Holztragwerk. In dieser Ebene wurden auch die umfangreichen hydraulischen Zu-/Ableitungen, Kollektor-Anschlüsse und Verbindungen verlegt. Hierzu war es notwendig, das Aluminium-Tragprofil und die Holzlattung punktuell auszuklinken.

Innovative Solarthermie-Fassade
Unterschiedliche Fassadenwerkstoffe und Konstruktionen machen deutlich, dass bei der Entwicklung und Gestaltung von Fassaden immer wieder großartige Ergebnisse entstehen. Die VHF-Kombination mit solaraktiven Solarthermieelementen hatte es so bisher nicht gegeben. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Die VHF-Konstruktion trägt deutlich zur Minimierung der Energiekosten für Heizung bzw. Klimatisierung bei. Es ist eine bauphysikalisch bewährte Bauart, die darüber hinaus auch ein angenehmes Raumklima gewährleistet. Durch die konstruktive Trennung von Fassadenbekleidung und Wärmedämmung wird ein nachhaltiger Tauwasser- und Regenschutz erreicht. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden sind geringer schadensanfällig als herkömmliche Gebäudehüllen, außerdem langlebiger und wartungsfrei. Damit stellen sie eine wirtschaftlich äußerst interessante Lösung zur Wertsteigerung des Gebäudes dar und sind sozusagen prädestiniert für nachhaltige Wohnkonzepte.

Gute Aussichten für die Zukunft
Im Dezember 2011 sind die Bewohner in ihr neues Energie-Plus-Haus eingezogen. Dank dem bauphysikalisch bewährtem VHF-Aufbau, der Photovoltaikanlage, effizienter Heizung und Dämmung sowie sparsam funktionierender Haushaltsgeräte (A++) steht dem erwarteten Energiebedarf von 7.550 Kilowatt-stunden pro Jahr voraussichtlich eine Stromerzeugung von 9.100 Kilowattstunden gegenüber. Der Überschuss wird ins Netz gespeist oder für 4 e-Bikes von Bosch sowie ein Elektroauto genutzt.

Dieses Referenzbauvorhaben beweist eindrucksvoll, dass eine fassadenmontierte Solarthermie-Anlage durchaus möglich ist. „Wir wollen zeigen, dass ein Energie-Plus-Haus mit heute bereits verfügbarer Technik realisierbar ist“, sagte Uwe Glock, Vorsitzender des Bereichsvorstands Bosch Thermotechnik GmbH. Er verwies darauf, dass in Europa etwa 40 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen auf die Gebäude entfällt. Glock ist davon überzeugt, dass sich das Energie-Plus-Haus auf längere Sicht zum Standard entwickeln wird.

Projektdaten

Projekt: Energie-Plus-Haus
Bauherr: Buderus Immobilien GmbH (BIG)
Projektpartner: Bosch Thermotechnik GmbH sowie Schwörer Haus
Standort: Wetzlar
Architekt: Archikekturbüro espace R. Schlaudt, Frankfurt am Main
Bekleidungswerkstoff: solaraktive Solarthermieelemente
Unterkonstruktion: Agraffen-Tragprofil ATK 103 - P, 30 mm, Aluminium
Befestigung: BWM Dübel + Montagetechnik GmbH
Verarbeiter: Fassadentechnik Schmidt GmbH, Heidelberg
Wohnfläche: 160 qm / Einfamilienhaus
Grundstücksfläche: 660 qm
Gebäudestandard: KfW-Effizienzhaus 55
Prämienenergiebedarf: ≤ 50 kWh/qm*a

 
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